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Personalpolitik
im Schweinezyklus
Wer wird heute noch
Lehrer? (Teil 2)
„Lehrer
werden dringend gesucht”; „Untragbarer
Unterrichtsausfall – Lehrer fehlen”;
„Die Überalterung der Lehrkräfte
erreicht dramatische Ausmaße”; „Quereinsteiger
mit Chancen auf den Lehrerberuf”; „Bundesländer
werben sich gegenseitig die Pädagogen ab”
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Wer solche Schlagzeilen
liest, wähnt sich in goldenen Zeiten der
Lehrer-Vollbeschäftigung. Doch Vorsicht!
Es ist alles schon einmal dagewesen – einschließlich
des bösen Erwachens für jenen Teil der
Studenten, die im Vertrauen darauf den Lehrerberuf
studierten und anschließend auf der Straße
standen.
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Nach
dem fleißigen Werben um Lehrer kam auf einmal der
Pillenknick: Weniger Schüler brauchten nun auch weniger
Lehrer. Anfang der 1980er Jahre war der Ersatzbedarf befriedigt
und die Haushaltslage der öffentlichen Kassen ließ
kaum noch weitere Einstellungen zu. Während im Herbst
1982 nur noch 19 % der Bewerber eine Gymnasialstelle erhielten,
sank der Anteil 1983 auf 8,2 % und 1984 auf 4,9 %. Bis
1990 war die Zahl der Studenten und Bewerber für
das Lehramt an Gymnasien genauso hoch wie die der hauptberuflichen
Gymnasiallehrer (120.000). Der Deutsche Philologenverband
brachte 1983 seinen „Ratgeber für arbeitslose
Lehrer” in der dritten Auflage heraus. Dringend
wurde nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten
gesucht.
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Heutige
Situation: Wie in früheren Zeiten
haben die Landesregierungen über Jahre hinweg
mit guten Einstellungschancen geworben und Abiturienten
in den Lehrerberuf gedrängt. Doch seit 2005–06
gibt es auch deutliche Anzeichen dafür, daß
die vollmundigen Versprechen – wie in der
oben beschriebenen Vergangenheit – wohl nicht
eingehalten werden. In Baden-Württemberg kamen
2007 die ersten Stellensperrungen und nur ein Drittel
der Bewerber (13% an Grundschulen, 16% an Realschulen,
50% an Gymnasien) erhielt ihre Anstellung. Weitere
Bundesländer machten Tausende von angehenden
Lehrern zu Saisonarbeitern: Für das Schuljahr
wurden sie mit befristeten Verträgen bis zu
den Sommerferien eingestellt und durften dann Arbeitslosengeld
beantragen, also den Sozialkassen (Bundeskasse)
zur Last fallen. Für das neue Schuljahr nach
den Sommerferien gab es nur mündliche und unverbindliche
Zusagen für eine wiederum befristete Einstellung,
sofern man diese Lehrer dann noch brauchte. |
Die
Stellenausschreibung
für Lehrer kann
z. B. in Baden-Württemberg auch durch
die Schulen selbst erfolgen (nach Genehmigung
durch das Schulamt).
Hierbei muß ein
Bewerber jedoch auf einiges gefaßt sein.
Eine Schule verlangte neben dem Unterricht
noch die Fähigkeiten „Schnorcheln,
Tauchen, Voltigieren und Reiten” und
natürlich für ihr Schulorchester
das Spielen eines Blechinstruments.
Quelle: Mannheimer Morgen,
19.7.2007.
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Das Spiel mit den Kettenverträgen
wiederholte sich auch 2008; nach Angaben der Bundesagentur
für Arbeit in Hessen, NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg
und Rheinland-Pfalz (mit Änderungen). Zumindest Hessen
– hier wurden 1875 Lehrer mit dem Start in die Sommerferien
2008 arbeitslos – hat nach dem Abgang seiner umstrittenen
Kultusministerin Karin Wolff (CDU) reagiert und diese Praxis
für 2009 abgeschafft *(Nachtrag: unten). Stattdessen
soll es in Hessen eine ganz groß angelegte Kampagne
geben, um den Lehrermangel (!) zu beheben.
Tipp an die Hessische
Landesregierung: Das Wort „Vertrauen” besser
nicht erwähnen! Und bitte auch nicht über fehlende
Attraktivität des Lehrerberufs klagen. Und auch nicht
über mangelndes Engagement betroffener Junglehrer.
Und auch nicht über jene, die diesen Schweinezyklus
kritisieren …
Die Anzahl der Ex- und
Hopp-Lehrer wird nach den Vorjahrszahlen bundesweit auf
etwa 7.000 geschätzt. Wie hoch ist deren (De)motivation
für ihren erlernten Beruf? Welcher Abiturient geht
das hohe Risiko ein, in die Arbeitslosigkeit hineinzustudieren?
Die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft und damit
langfristig auch der Lehrerbedarf – Wie glaubhaft
sind Prognosen? Nach welchen Kriterien wird eigentlich die
Personalpolitik für Lehrer gemacht?
Zumindest die letzte
Frage läßt sich eindeutig beantworten: Nach dem
Schweinezyklus!
Dieser Begriff aus den Wirtschaftswissenschaften
wird auf periodische Schwankungen von Angebot und Nachfrage
angewandt, wobei sich Reaktionen und Investitionen zeitverzögert
auswirken und dadurch instabile Marktverhältnisse bewirken:
Bei hohen Schweinepreisen wird kräftig investiert und
in die Aufzucht intensiviert. Sind die Ferkel dann groß,
ist der Markt übersättigt und die Preise verfallen.
Auf diese Weise geht der Zyklus immer weiter, bis irgend
jemand in den Ministerien – pardon – von den
Schweinehaltern auf die Idee kommt, sich bei der Nachzucht
von Schweinen an der voraussichtlichen Marktsituation von
Angebot, Nachfrage und Preis zu orientieren – und
zwar zum Zeitpunkt, wenn das schlachtreife Schwein verkauft
werden soll! Ähnliche Regelkreise gibt es überall
im Wirtschaftsleben, auch in komplexeren Zusammenhängen.
Ein aktuelles Beispiel ist die Immobilienkrise in den USA
(Stichworte: Preise, Kredite, Überangebot, Preisverfall).
Tipp an die Kultusministerien:
Hilfreich wären Tipps des Wirtschaftsministeriums
–
oder
besser gleich aus der Wirtschaft. Wirkungsnetze
statt lineares Denken!
Same
procedure …
Und wer hilft jetzt den
arbeitslosen Lehrern? Ebenfalls nach dem Schweinezyklus
müßte es schon sehr bald eine Flut
von Büchern über neue Berufsfelder für Lehrer
geben: Umschulung, Fortbildung und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten.
Bis es soweit ist, sei den Betroffenen „Das Umsteigerbuch
für arbeitslose Hochschulabgänger” empfohlen
(Henniger, W. & H. Linder, 287 S., Königstein/Ts.,
Athenäum-Verlag, ISBN 3-7610-8371-8; über Antiquariat).
Es stammt zwar aus der letzten Schweinezyklusphase vor etwa
25 Jahren (1985), enthält aber 50 Seiten Tipps allein
für arbeitslose Gymnasiallehrer, ist nahezu unverändert
brauchbar und kann ab etwa 2030 (nächste Zyklusphase)
erneut verwendet werden.
pdf
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L107 / 16.10.08
* Nachtrag
(31.3.2009): In Hessen werden angestellte Lehrer auch nach
dem Regierungswechsel nicht mehr arbeitslos in die Sommerferien
entlassen. Dies wurde zwischen der Gewerkschaft GEW und
dem Kultusministerium vereinbart. Betroffen sind auch für
jene Lehrer, die nach den Ferien nicht mehr weiterbeschäftigt
werden – jedoch nur unter der Voraussetzung, daß
sie vor dem 24. November 2008 eingestellt wurden. Sollten
Verträge noch nicht geändert worden sein, könnte
eine Meldung als arbeitssuchend an die Bundesagentur für
Arbeit bis spätestens 9. April 2009 erforderlich sein.
(GRP)
| www.elternkritik.de
(16.10.08)
Wie erkennt man psychische Gewalt?
Lehreraggressionen
gegen Schüler (Teil 2)
Die Anwendung von psychischer
Gewalt ist weit verbreitet (Elternhaus, Berufsleben,
Freundeskreis, „Mobbing”), doch in den
Schulen besonders wirksam: Betroffen sind hier keine
Erwachsenen, sondern wehrlose Kinder und Jugendliche.
Lehrer erziehen nicht ihre eigenen Kinder in begrenzter
Anzahl, sondern stehen in Verantwortung für eine
Vielzahl von Kindern fremder Eltern. Bei Anwendung
psychischer Gewalt überschreiten sie den Rahmen
des staatlichen Erziehungsauftrags wie auch ihren
eigenen Ermessensspielraum und mißachten die
Grundrechte der Erziehung durch die Eltern .…weiter…
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| www.schulkritik.de
(16.10.08)
Wer
hat Vorteile?
Nutzer
des neuen Schulkritik-Portals
In die Bildungsdiskussion
ist rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung
(82 Millionen) privat oder beruflich direkt eingebunden
(indirekt sind alle Bürger betroffen).…weiter… |
| www.schülerkritik.de
(16.10.08)
Grundrechte kennen und einfordern!
Schüler
werden aktiv
Schüler, die ihre Grundrechte
nicht kennen, können sie auch nicht einfordern.
Die wenigsten wissen, daß Kinder bei allen Entscheidungen,
die sie selbst betreffen, ein Recht auf Anhörung
und Beteiligung besitzen. Und natürlich ein Recht
auf Bildung! Und noch viel mehr …weiter… |