Lehrer werden ist nicht schwer, Lehrer sein dagegen sehr!
 

Bildungsportal Schulkritik

 

Mehr Geld plus höheres Ansehen = Mehr Lehrer minus Qualität?

Wer wird heute noch Lehrer? (Teil 1)

Das Ansehen der Lehrer ist tief gesunken. Nicht nur die besten Köpfe wählen daher lieber einen anderen Beruf, sondern ebenso der Durchschnitt. Aus dem Rest muß sich dann die Masse der Lehrer rekrutieren. Abnehmende Qualität ist jedoch der schlechteste Ansatz, ein Image zu verbessern!

Der ehemals hoch angesehene Lehrerberuf hat sich in wenigen Jahrzehnten zu einer zwar immer noch anerkannten, gesellschaftlich aber zunehmend weniger geachteten Tätigkeit weiterentwickelt. Unattraktiv vor allem für Studenten: Daß diese keine Lust verspüren, ihre beste Lebenszeit auf der untersten Stufe der überbürokratisierten Schulhierarchie mit Stress zu vergeuden, ist durchaus nachvollziehbar. Und was bisher (oberflächlich betrachtet) verlockend erschien – nachmittags frei und lange Ferien – schmilzt bei jedem neuen Reformansatz mit immer höheren Belastungen dahin.

Früher fühlten sich noch viele zum Lehrerberuf „berufen“, heute meiden selbst die „Berufenen” das Lehramtsstudium. Und das betrifft vor allem jene Fächer, in denen Nachwuchslehrer am dringendsten gesucht werden, z. B. Naturwissenschaften und Mathematik.

Der Chef des Philologenverbands (Heinz-Peter Meidinger) läßt sich die Situation des Lehrermangels natürlich nicht entgehen, indirekt auf eine vergleichsweise schlechte Bezahlung und unattraktive Aufstiegschancen der Lehrer zu hinzuweisen. Im Handelsblatt (28.7.2008) stellte er fest, „daß die freie Wirtschaft ihnen mehr bietet als der Staat”. Man muß den Lehrern also gleichviel oder noch mehr bieten als die freie Wirtschaft und das Problem ist gelöst!? Bewirkt mehr Geld mehr Leistung? Um wieviel höher ist denn ein Arbeitsplatz beim Staat gegenüber jenem in der freien Wirtschaft zu bewerten? Will die Interessenvertretung der Lehrer den Preis erhöhen, mit dem sich die einzelnen Bundesländer bei ihren gegenseitigen Abwerbe-Bemühungen zu überbieten versuchen? Die Schüler in den wirtschaftlich schwachen Ländern ihrem Schicksal preisgeben?

Der „Junge-Philologen”-Vorsitzende (Di Fuccia, 30.7.2008) legt noch einmal nach: „Dem Lehrermangel gerade in den Fächern, in denen die Bewerber auch lukrativ in die Wirtschaft wechseln können, begegnet man nur dadurch, dass man den Lehrerberuf gleich auf zweifache Weise attraktiver macht: durch mehr Geld zumindest im Referendariat und durch ein höheres Ansehen – in der Gesellschaft, aber eben auch an der Universität“.

Es sei bemerkt, daß besseres Image nicht auf dem Amtsweg verordnet werden kann. Für die Steigerung ihres Ansehens sind die Betroffenen in erster Linie selbst verantwortlich! Daran ist zu arbeiten! Und manche Lehrer haben dies noch nicht begriffen.

Die Lehrer können nicht die eine Seite des Huhns gebraten haben wollen und dann noch von der anderen Seite erwarten, daß sie Eier legt."

(Werner Remmers, niedersächsischer Kultusminister, 1979).

Wer sind die Leute, die heute trotz allem noch Lehrer werden?

  1. Einige wenige, die diesen Beruf noch immer als „Berufung“ sehen und später zu den besten Lehrern zählen. Als solche ecken sie mit erhöhtem Engagement, Kritikfähigkeit und Zivilcourage allzu oft bei Kollegen und Vorgesetzten an, was ihnen schnell den Spaß an ihrer Arbeit verdirbt. Die Folge: Gerade solche Lehrer haben es nicht nötig, sich wie Hühner in die Hackordnung eines Lehrerkollegiums einzuordnen und fliegen beizeiten davon!
  2. Was an Kandidatenqualität noch übrig bleibt, kann sich der Leser selbst ausrechnen. Die Unternehmensberatung McKinsey stellte fest, daß in Deutschland „die schwächsten Schüler Lehrer werden“ und schwache Uni-Absolventen, die in anderen Berufen chancenlos wären, immer noch im Schuldienst unterkommen. „…in Bayern gibt es bereits eine Einstellungsquote von 100 Prozent. Für die Nichtskönner und Unmotivierten unter den angehenden Lehrern war es selten so einfach, sich eine lebenslange Beamtenstelle im deutschen Schuldienst zu sichern. Egal, wie viele Kinder, Mütter und Väter sie auf die Barrikaden oder in die Verzweiflung treiben werden." (Jannette Otto in: „Die Angst der Lehrer”; Die Zeit, 25.9.2008).

Wer ein Numerus-clausus-Fach nicht schafft, wird dann eben Lehrer (unterstützt durch das Zulassungsverfahren der Universitäten). Und irgendwann steht er dann vor einer Klasse und merkt im letzten Bachelor-Semester oder erst danach zu spät, daß sogar die Lehrerrolle eine Nummer zu groß gewesen ist. Mangelnde Betreuung und Kontrolle während der Referendarzeit überdecken weitere Defizite. Lehrermangel und Mitleidsbonus helfen schließlich beim Bestehen der Prüfung. Solche Lehrer werden dann bis zu 40 Jahre lang ungezählte Generationen von Schülern um ihre Lebenschancen betrügen, weil diese vom Schulsystem dazu gezwungen werden, auch qualitativ minderwertigen Unterricht zu ertragen.

Das alles ist kein Geheimnis und blieb allein dem Philologenverband verborgen. Auch die bundesdeutsche Bildungsministerin ist informiert: 2008 erhöhte sie für 120 Millionen Euro die Anzahl jener Bildungsforscher, die in ihren klimatisierten Instituten ohne Praxisbezug und direkte Verantwortung abstrakte Theorien zur Auswahl von Lehrerkandidaten entwickeln, mit denen in der Folgezeit das neue Bildungsforschungs-Portal des Ministeriums zu füttern ist. Geben wir ihnen eine Chance und warten ab, was sie in wenigen Monaten herausgefunden haben – um es in einigen Jahren zu verwirklichen und dann vielleicht nach mehreren Jahrzehnten erkennen zu müssen, daß es so nicht funktionierte.

Zur Feststellung, daß mit einer Abnahme der Lehrer-Qualität auch die Mißstände an den Schulen und im Unterricht sowie die Zahl der Klagen von Eltern und Schülern zunehmen, ist keine wissenschaftliche Untersuchung erforderlich. Die zunehmende Berichtserstattung über vorhandene Mängel ist kein Zufall und hat reale Gründe!

Qualitätsmängel bei Lehrern sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Gesellschaft insgesamt. In unserem rohstoffarmen Land hängt die gesamte Zukunft am dünnen Faden der Bildung. Und zu deren Vermittlung brauchen wir allein die besten Lehrer und können es uns nicht leisten, die Ausbildung des Nachwuchses in die Hände von zweit- oder drittklassigen Schmalspurpädagogen zu legen. Ansehen und Attraktivität des Lehrerberufs lassen sich in einer Zeit der Massenarbeitslosigkeit weder durch folgenlose politische oder verbandsideologische Sonntagsreden noch mit höherer Bezahlung verbessern. Erreicht wird dies allein durch eine strenge Auswahl der Geeignetsten eines jeden Jahrgangs (nicht unbedingt der „Noten-Besten“) und bessere Arbeitsbedingungen (für Lehrer und Schüler: siehe Fließbandschüler in Massenschulen). Nur dadurch wird der Lehrerberuf für eine neue Lehrer-Elite interessant, was wiederum mit einer Qualitätsverbesserung der Schulen und vor allem auch mit einer Steigerung des Ansehens von Lehrern einhergeht. – weiter in Teil 2

pdf / L104 / 16.10.08

Umfangreiches Informationsmaterial für Studieninteressierte, Lehrer-Studierende, Berufseinsteiger und erfahrene Lehrer

stellt der gemeinnützige Verein CCT aus Klagenfurt zur Verfügung (mit Vertretungen in den Partnerländern Deutschland und Schweiz). Die Website bietet neben Fragebögen und Checklisten, Reportagen und Tipps zur Laufbahnplanung auch eine Fülle von links zu Beratungseinrichtungen, Institutionen für Lehrerbildung, Behörden und dergleichen: www.cct-germany.de (gefördert vom österr. Bundesministerium f. Unterricht, Kunst u. Kultur, von der Kommission d. Europ. Gemeinschaften, vom Büro f. Europ. Bildungskooperation und vom Land Oberösterreich).


Im Rahmen einer „Lehrer-Belastungsstudie”, gefördert von Deutschem Beamtenbund und Tarifunion (dbb) und seinen Lehrer-Gewerkschaften wurden folgende Fragebögen erarbeitet:

Lehrer werden?

Der (DphV) Deutsche Philologenverband bietet auf seiner Webseite den „Jungen Philologen” einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung . Das Ergebnis ist anhand der durchsichtigen Fragestellung vorhersehbar. Wer sich der Realität der Selbsttäuschung hingibt, füllt auch den Fragebogen entsprechend aus und erfährt nichts Neues.

Lehrer sein!

Der Arbeits-Bewertungs-Check für Lehrkräfte (ABC-L) ist eine Organisationsdiagnose für Schulen (Anwendungshinweise und Fragebogen ) und eigentlich nicht für die Lehrer-Berufsplanung gedacht. Dennoch erscheint er sehr viel aussagekräftiger als der o.g. Fragebogen zur Selbsteinschätzung – besonders für jene mit der Fähigkeit, „zwischen den Zeilen zu lesen”.

Literatur: Schaarschmidt, U. & U. Kieschke (Hrsg.) (2007): Gerüstet für den Schulalltag. Psychologische Unter-

stützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. – Weinheim (Beltz).



www.schülerkritik.de (16.10.08)

Beurteilung der Lehrkräfte

Sinn und Unsinn von Schul-Hospitationen (Schülerbeitrag, 14 Jahre)

Hospitationen (Unterrichtsbesuche) sollen angehenden Lehrern helfen, den Einstieg in ihren Beruf zu finden. Ein erfahrener Fachlehrer bespricht und bewertet die Art und Weise des durchgeführten Unterrichts. Bei vorher angekündigten Hospitationen bekommt der Fachlehrer mit den Schülern eingeübte Theaterstunden vorgeführt.…weiter


www.schulkritik.de (16.10.08)

Reform von oben: in die Sackgasse der Zwickmühle

Schulkritik stellt sich vor … (Teil 1: Standortbestimmung)

Vor mehr als 40 Jahren wurde mit Bildungs- und Schulreformen begonnen, die bis heute nicht zufriedenstellend beendet werden konnten. Die Ergebnisse beweisen, daß weder umfangreiche Forschungen der Geisteswissenschaften noch die Willensbekundungen von Politikern aus der Misere herausführten. Woran liegt es? …weiter


www.schülerkritik.de (16.10.08)

Lehrer und Leistung

Die meisten Schüler sind zu ängstlich. Mehr Mut!

In früheren Zeiten mußte allen „Respektpersonen" kritiklos gehorcht werden. Man erzog die Schüler zu willenlosen Befehlsempfängern und wer nicht spurte, wurde geschlagen. Heute sollen Schüler zu „kritikfähigen Staatsbürgern” erzogen werden. Leider gibt es noch immer Lehrer, die hierzu nicht bereit sind und jenen Methoden nachtrauern, mit denen sie selbst erzogen und ausgebildet wurden.…weiter

 

 

 

 
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